Wie die Weltmeisterschaft in Russland den Fussball beerdigt und wie wir ihn wieder auferstehen lassen

Wie die Weltmeisterschaft in Russland den Fussball beerdigt und wie wir ihn wieder auferstehen lassen

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Wie dieWeltmeisterschaft in Russland den Fussball beerdigt und wie wir ihn wiederauferstehen lassen

 

Deutschland, Spanien, Portugal...ja, so einigeTeams scheiterten in Russland kläglich. Vor der Weltmeisterschaft sagte UrsSiegenthaler, der Chef-Scout der deutschen Nationalmannschaft, in meinemPodcast-Interview: „Es werden sich alle hinten rein stellen. Das beginnt miteinem 4-4-2 beim Gegner in den Qualifikationsspielen. Der nächste Gegner agiertedann mit einer 5er-Kette. Die Krönung war, dass Schottland mit sechs Mannhinten spielte und dann ein ganzes Team plötzlich im 16-Meterraum stand.“ DerFachmann sollte recht behalten...

 

Das DFB Team hatte im entscheidenden Spielgegen Südkorea 697 Pässe gespielt (die Koreaner 246), der Ballbesitz war ineinem Verhältnis von 74,1% zu 25,9% für die Deutschen. Die Zweikampfquotegehörte mit 61,35% auch den dem Weltmeister von 2014.

 

Die Spanier verabschiedeten sich nach demElfmeterschiessen gegen Russland aus dem Turnier. 1115 Pässe spielten die Südeuropäer– die Gastgeber gerade einmal 291.

Ballbesitz= Erfolg, diese Zeit ist vorbei

 

Pep Guardiola sagte erst kürzlich nach seinerfantastischen Saison mit Manchester City: „Ich hasse es, wenn meine Spieler nurden Ball haben, um den Ball zu haben. Ich will, dass mein Team Chancen kreiert undnicht einfach den Ball hin- und her spielt. Wir wollen Chance herausspielen,probieren, probieren, probieren – immer mit Zug zum Tor.“ Genau das, wurde vonden Favoritenteams wie Deutschland und Spanien nicht gemacht. Spanien schobsich 120 Minuten den Ball zu, ohne dass ein Pass eine „Nachricht“ hatte. KeinMittelfeldspieler lief einmal in die Spitze durch. Standfussball vonhervorragenden Technikern.

 

Unsere Schweizer Nationalmannschaft hatte beiihrem WM-Aus gegen Schweden 64% Ballbesitz und durfte 11 Eckbälle treten(Schweden 3). Deutschland hatte mit durchschnittlich 67% Ballbesitz aus denGruppenspielen, die beste Quote aller Teilnehmer. Dass der Ballbesitz für einenSieg in der heutigen Zeit im Fussball so gut wie gar nicht mehr entscheidendist, dürfte sogar Maradona längst klar geworden sein – obwohl bei Diego bin ichmir nicht ganz sicher...

 

Die vorhandenenMittel bestimmen die Spielweise

 

Die Hauptaufgabe eines Trainers ist es, mitden gegebenen Mitteln das Maximum (möglichst lange im Turnier zu bleiben)herauszuholen. Dass Janne Andersson, der Trainer der Schweden, sich selbst vermutlichauch lieber die Belgier als seine eigene Mannschaft anschaut, ist alsouninteressant. Schweden ist nicht in der Lage Tiki-Taka-Fussball  zu spielen, aber die Skandinavier könnenkompakt stehen, verteidigen, Kopfballduelle gewinnen und schnell umschalten. Dashaben sie gemacht und wurden dafür belohnt! Andersson hat also alles richtiggemacht. Dass diese Spielweise für die Zuschauer unattraktiv und unspektakulärist und wir lieber Spiele wie Kolumbien gegen England anschauen ist logisch.

 

DerWeltmeister hat sich verpokert

 

Doch was hat man für Möglichkeiten, um einsolches Team zu bezwingen? Wie die Gruppenphase gezeigt hat, werden Spezialistenbei ruhenden Bällen immer entscheidender. Die Schweiz kam im 1/8 Finalspiel inden Genuss von 11 Eckbällen. Doch ohne eine spezielle Variante wird esschwierig gegen die schwedischen Kopfballmonster zum Torerfolg zu kommen.

 

Das deutsche Team hatte mit Toni Kroos einensolchen Spezialisten, der in der Lage war, das DFB Team in der letzten Sekundezu erlösen. Aber aus dem Spiel heraus fand auch Deutschland keine Lösung.Warum? Weil wir in den letzten Jahren etwas vernachlässigt haben, was wir auf jedemStreetsoccer- oder Schulhausplatz auf der Welt ständig sehen: Nämlich Spieler,welche offensiv, mutig und mit viel Speed Eins gegen Eins Situationen bestreiten.Ein D-Jugendtraining beinhaltet immer wieder Dinge wie Ballhandlung, Finten undDribblings. Doch unser Fokus lag in den letzten Jahren auf viel Ballbesitz undKurzpassspiel nach dem Motto „so lange wir den Ball in unseren Reihen haben,kann der Gegner kein Tor erzielen“.

Leider wurde an dieser Weltmeisterschaftersichtlich, dass sich einige Teilnehmer bei der Kaderauswahl „verpokert“hatten. Zu viele Teams gingen davon aus, dass sie die Gegner spielerischbesiegen werden.

 

Wie wertvoll wäre ein Spieler wie Leroy Sanéfür die Deutsche Elf gewesen? Ein Tempodribbler der in der Lage gewesen wäre, imEins gegen Eins hinter die Abwehrbollwerke vorzustossen? ... Ja ich weiss,einfach gesagt im Nachhinein. Fakt ist: Die meisten Teams, welche nun imVierteilfinale stehen, verfügen über Tempodribbler auf den Aussenbahnen: Rebic,Hazard, Willian, Perisic, Mbappé, Sterling, Prinzessin... eh Neymar, Golovin,Rashford, usw.

 

SindTempodribbler die Lösung?

 

Kurz und knapp: Nein! Wenn zwei Teams auf demPlatz stehen und eines davon nur daran interessiert ist, das Spieldiktat demGegner zu überlassen, tief und kompakt zu stehen und auf Konter zu lauern,werden auch Individualisten das Spiel für den Zuschauer nicht attraktivermachen können.

 

DieLösung um für Zuschauer-Ekstasen zu sorgen

 

Der Fussball braucht Regeländerungen!!!Änderungen welche aktuell vielleicht als unvorstellbar gelten. „Die Lösung“habe ich auch nicht – aber ich habe Ideen:

 

1.    Weniger Feldspieler. 10 gegen 10,9 gegen 9...? Das würde dem Spiel wieder mehr Raum verleihen.

 

2.    Abseits erst ab dem Strafraum – ev.ganz aufheben?

 

3.    Zeitbeschränkung für einen Angriff- wie beim Basketball. Das Ballbesitzende Team muss innerhalb von 2-4 Minuten denAngriff abgeschlossen haben. Danach bekommt der Gegner den Ball.

 

4.    Eine Zeitbeschränkung würdeBlockwechseln voraussetzen. Hochintensive Belastungen wie beim Eishockey.

 

5.    Penaltyschiessen: Von 30m 1 gegen1 auf den Torwart zulaufen

 

6.    Kurze Strafen! Ein Spieler mussnach einem groben Foul (heute gelbe Karte) für eine gewisse Zeit vom Feld unddas gegnerische Team agiert in dieser Zeit in Überzahl.

 

7.    Wie wäre es, wenn ein Trainer ein„Timeout“ nehmen könnte?

 

8.    Schwalben und Theatralik werdenmit direktem Spielausschluss bestraft – Sorry Neymar!

Ja, vielleicht werden mich einige für verrückterklären, aber dieser Sport muss für die Zuschauer wieder attraktiver werden.Wir wollen Massen begeistern, wir wollen Action, wir wollen Unterhaltung. Dasseinige der angedachten Möglichkeiten den heutigen Fussball komplett verändernwürden ist mir klar. Aber mal ehrlich, wie gerne hast du dir Spiele wie Spanien:Russland,Brasilien:Costa Rica, Schweden:Südkorea, Frankreich:Dänemark, Portugal:Iran,Urugay:Saudi Arabien oder eben unsere Schweiz gegen Schweden angesehen?

 

Fussball ist tot und wir können ihn wiederbeleben.Was wir dafür mitbringen müssen? Verrückte Ideen, Mut zum Risiko, Wille fürVeränderungen und viel Leidenschaft und Liebe für den schönsten Sport der Welt.

 

 

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